Satin Jackets: "Ich hatte keinen Masterplan"

InterviewSatin Jackets: "Ich hatte keinen Masterplan"

Seine Musik ist der Inbegriff von Nu Disco. Mit der passenden Baseline geht alles. Beats Radio im Gespräch mit Satin Jackets.

Satin Jackets: "Ich hatte keinen Masterplan"Foto: Øystein Haara

Neue Single auf Beats Radio von Satin Jackets: Oceanside

"Oceanside" von Satin Jackets ist ein chilliger, elektronischer Track, der perfekt die entspannte Atmosphäre eines sonnigen Nachmittags am Meer einfängt. Satin Jackets, bekannt für ihre Mischung aus Nu-Disco und Chillwave, liefert mit "Oceanside" erneut ein Stück, das zum Zurücklehnen und Genießen einlädt. Die Single ist ideal für entspannte Stunden, sei es bei einem gemütlichen Strandspaziergang oder einfach nur zum Abschalten und Wegträumen.

Tim und Beats Radio stehen praktisch im Kontakt seit Stunde eins. Ich glaube sogar, er war der erste Producer, mit dem ich für Beats Radio Kontakt hatte und das schon kurz nachdem unser Sender an den Start gegangen ist. Jetzt ist es also fast ein bisschen, als würde ich mit einem guten Bekannten sprechen, auch wenn wir uns heute tatsächlich zum ersten Mal wirklich sehen.

Wie Tim aussieht, das kann ich euch leider nicht verraten. Offiziell spreche ich heute nämlich nicht mit Tim Bernhardt, sondern mit dem Producer hinter der goldenen Maske: Satin Jackets.

Die goldene Maske

Beats Radio: Was hat es eigentlich mit dieser Maske auf sich?

Satin Jackets: Satin Jackets soll einfach mystisch sein. Die Musik ist der einzige Star in diesem Projekt und nicht die Person dahinter. Niemand, der sich in den Vordergrund stellt und vermarktet. Satin Jackets, die goldene Maske ist eigentlich eher eine Kunstfigur oder nennen wir es Avatar. Das war ursprünglich als Experiment gedacht. Am Anfang dachte ich mir schon, ob das wohl klappt, aber im Nachhinein hat es sich dann als super Sache erwiesen, nur wie jetzt bei Interviews, da ist das ein wenig schwierig. * lacht *

Und wieso gerade diese Maske? Claptone hat eine Pestmaske auf, Cro ist der Panda warum hast du dieses Design gewählt?

Ich hatte keinen Masterplan. Das kam eigentlich durch das erste Logo von der ‚You make me feel good‘ Single. Der Designer hat dafür ein roboterartiges Vektor-Gesicht gemacht und als dann die Anfragen für Gigs kamen, habe ich mir überlegt, dass ich mich daran orientiere.

Tim Bernhardt und die Musik

Bist du dann versteckt hinter der Maske eher der Bühnen Mensch oder lieber im Studio?

Ich als Tim Bernhardt bin eigentlich mehr der Studiomensch, das ist mein Beruf: Musik machen, produzieren, Neues schaffen.

Wie bist du, also Tim allgemein zur Musik gekommen?

Ich habe Disco mein Leben lang geliebt, bin natürlich auch in dieser Zeit groß geworden. Nebenbei habe ich das immer leidenschaftlich gemacht. In den 90ern hatte ich mit einem Kumpel zusammen eine Band und da haben wir Deep-House gemacht, standen damit auch auf der Bühne. Zu der Zeit hatten wir noch Jobs nebenbei. Anfang der 2000er hatte ich dann aber keine Lust mehr, habe gekündigt und gesagt, ich setzte jetzt alles auf eine Karte. Dann ging es mit der Nu Disco Welle los und die hat mich total geflasht. Endlich wieder Vocals, Chords und auch Beats dazu.

Satin Jackets ist vermutlich das Paradebeispiel für Nu Disco, wie würdest du das Genre einem Nichtkenner beschreiben?

Na ja es sitzt ein bisschen zwischen den Stühlen House und Pop, einfach elektronische Tanzmusik. Das ist ein Vorteil, denn hier wird eine Nische besetzt: Vieles ist wesentlich clubbiger, die DJs sind eher auf Tour. Nu Disco hat einfach den Streamingcharakter und geht immer.

Satin Jackets
Foto: Øystein Haara

Ein zweischneidiges Schwert: Streaming

Wie erlebst du zurzeit die Welt der elektronischen Musik?

Schwierig zu sagen. Die elektronische Musik ist mittlerweile so breit gefächert. Da muss ich zugeben, etwas, das mich kickt, bei dem ich mir denke ‚wow was ist das‘ gibt es nicht mehr wirklich oft. Manchmal kommt es vor, aber ich habe schon oft das Gefühl, nichts Neues mehr entdecken zu können.

Wie gehst du dann deine Musik an?

Man muss immer seine eigene Vision haben, schauen, wo möchte ich hin? Es sollte nicht um die Trends gehen, trotzdem muss man aber an dem Zahn der Zeit bleiben.

Also hat Nu Disco doch noch eine Zukunft?

Es kommt alles in Zyklen. In den 90ern gab es die große Disco-Welle und es wird auch wieder eine neue Disco-Welle kommen. Richtig tot ist es nicht, aber es ist eben gerade nicht im Mainstream. Es gibt so viele Micro Kosmen.

Die ganze Musikbranche hat sich so gesehen, ja auch geändert …

Eben. Mittlerweile bekommt man Musik auch ganz anders mit. Wer kann dir heute noch die Top 10 der deutschen Charts sagen. In den 80ern konnte ich das Vorbeten, da kam man einfach nicht daran vorbei.

Auch der Konsum von Musik ist heute ein ganz anderer. Musik wird gestreamt. Viele Künstlerinnen und Künstler beschweren sich da. Geld verdienen durch Streaming ist praktisch nicht mehr möglich. Wie stehst du zum Thema Streaming, gerade wenn du sagst, Nu Disco hat Streamingcharakter?

Ich muss sagen, ich bin dem gegenüber aufgeschlossen. Klar hätte ich nichts dagegen, wenn Spotify etwas mehr auszahlen würde. Wenn ich das jetzt ausrechnen würde, sind es ungefähr 0,3 Cent pro Klick, das ist jetzt nicht mega viel. Es gibt Künstlerinnen und Künstler, die füllen Hallen und von ihrem Spotify-Geld können sie sich eine Pizza kaufen. Das hängt heute einfach nicht mehr so zusammen.

Also bist du Pro Streaming?

Es ist ein zweischneidiges Schwert. Man hat die Kontrolle an Algorithmen abgegeben, trotzdem ist es eine faire Chance für jeden. Für mich und meine Musik funktioniert Streaming sehr gut, also ja ich bin Pro Streaming. 

Alena Kohler / Redaktion

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